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Krakelee-Effekt (frz. craquelé: rissig, gesprungen)
v. Paul Rammelmeyr

Die Eierschalen-Lacktechnik hat eine jahrtausend alte Tradtion und ist in China und Japan hoch entwickelt. Die Wirkung ähnelt dem Rissmuster, das wir bei Glasur-» Craquelée feststellen können. In diesen Fällen handelt es sich aber nicht um Keramik, sondern um einen täuschend ähnlichen Effekt des Eierschalenlacks.

Den alten Kulturstaaten China und Japan, haben wir handwerklich vieles zu verdanken. Besonders einfallsreich bedienten sie sich der Eierschale, wenn es darum ging, eine rein weiße Flächenwirkung als Mal- oder Lackgrund zu erzielen. Da die Färbung und Eigenschaften des » Rhuslackes keine rein weiße Lackierung zuließen, wurde aus diesem Grunde zur Eierschale gegriffen. Je genauer der Eierschalenbruch aneinandergepasst wurde, desto einheitlicher erschien der weiße Grund. Die Schalenstöße überzogen wie ein Netz von Rissen die Fläche und boten damit einen optischen Blickfang.

Dem Asiaten der vergangenen Jahrhunderte war der Zeitbegriff ein verhältnismäßig fremder Begriff und so vermochte er mit einer bewundernswerten Geduld Erstaunliches zu leisten! Wir sehen in privaten und in staatlichen Sammlungen Hochleistungen dieser Lacktechnik, die uns ihrer optischen Erscheinung nach wieder an gesprungene Glasur erinnern. Oft bedarf es eines Experten, um die Feststellung zu treffen, dass es sich hierbei nicht um Glasur-Krakelee, sondern um Eierschalen-Lack handelt. Nur wenige Künstler befassen sich heute noch mit dieser Lacktechnik.

Wir wollen uns jetzt mir dem Aufbau dieser Technik befassen. Wichtig ist zunächst ein glatter Untergrund, damit die Eierschalen planeben zu liegen kommen. Auf unebenem Grund würden sie sich durchschleifen. Alles Gelingen hängt von einer präzisen Arbeitsweise ab, in dieser Beziehung wird uns nichts geschenkt.

Da die Ei-Oberfläche verschiedene Krümmungen aufweist, verwenden wir für unsere Zwecke nur die Seiten der Schale, welche die geringste Wölbung besitzen. Die beiden spitzen Enden sind nicht geeignet. Die im Innern des Eies befindliche Haut muss vor Verwendung sorgfältig entfernt werden, was am besten gleich im frischen Zustand nach der Entleerung des Eies geschieht, sonst müssen die Ei-Schalen eingeweicht und vor dem Einlegen getrocknet werden.

Als Haftgrund verwenden wir einen Rohlack, welcher aus dem Harz des » Lackbaumes (Rhus vernicifera) gewonnen wird und noch etwas Wasser enthält und vermengen den Lack mit Weizenmehl bis zur Zähigkeit, wobei das im Lack enthaltene Wasser mit dem Mehl zusammen den Kleister bildet. Diese klebrige Lackmasse wird nun möglichst dünn und gleichmäßig auf die zu belegende Unterlage gespachtelt oder gewalzt. Dann werden die Ei-Schalen in die feuchte Klebemasse eingelegt, wobei möglichst große und flache Stücke Verwendung finden. Durch Beklopfen werden die Ei-Schalen weiter zertrümmert bis man die Gewissheit einer ebenen Fläche hat, was unbedingt zu beachten ist, da sich sonst beim späteren Glattschleifen die Wölbungen abschleifen und die Schalen durchgeschliffen werden. Diese Arbeit ist leichter beschrieben, als getan. Geduld und große Sorgfalt sind angebracht.

Nach dem Trocknen der eingelegten Oberfläche, das mehrere Tage dauert, wird die gesamte Fläche überlackiert, wobei entweder roter oder schwarzer » Rhuslack Verwendung finden kann, je nach dem gewünschten Endergebnis. Die Pigmentierung erfolgt nach traditioneller Art mit Zinnober, Eisenoxid oder Ruß. Nach mehrmaligem Überzug wird dann der Schalengrund, welcher zunächst nicht mehr sichtbar war, herausgeschliffen, so dass eine absolut gleichmäßige, glatte Fläche entsteht. Je nach der Feinheit des Schleifmittels (Sandstein, Ruß), hat die Oberfläche schon einen Glanz. Dann wird nochmals mit unpigmentiertem Rohlack überlackiert, getrocknet und mit Holzkohle geschliffen.

Nunmehr sind auch die letzten Risse ausgefüllt und die gesamte Oberfläche kann poliert werden, wobei die Ei-Schale den Glanz des Porzellans annimmt. Der Polierprozess erfolgt mit kalziniertem Hirschhorn (trocken erhitztes, geraspeltes Hirschhorn, Cornu cervi raspatum) und » Perillaöl, poliert wird mit den Fingerspitzen oder dem Handballen und Leinen.