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(Craquelée-Lack,» Krakelee)
von Paul Rammelmeyr

Krakelüre (Rissbildung) kennt man als Erscheinungsbild des Alterungsprozesses bei alten Keramiken, Lackflächen oder bei alten Gemälden. Aber oft wurde dieser Effekt auch künstlich herbeigeführt. Anders als noch vor Jahrzehnten, gibt es heute dafür spezielle Reißlack-Systeme, die man fix und fertig im Fachhandel kaufen kann. Früher verwendete man Lack, Leim, Sikkativ, Terpentin und Färbmittel. Es bedurfte außerdem einer besonderen fachmännischen Erfahrung und Behandlung, um eine einwandfreie Reißlackoberfläche herzustellen.

Man wusste, wenn ein sich stark zusammenziehender Werkstoff auf eine fette, elastische Unterlage kommt, wird die härtere Schicht bei der Trocknung die stärkere Spannung haben und da sie ohne Verankerung ist, wird sie reißen. Fazit: Wenn Lacke reißen, dann hat das seine Ursache in der Unterschiedlichkeit der aufgetragenen Schichten. Bei der Reißlacktechnik wird also ein physikalischer Vorgang zur Herstellung einer einheitlichen, dekorativen Oberfläche ausgenutzt.

Wie ging man also früher ans Werk?

Zunächst wurde Lackfarbe auf den Untergrund aufgetragen. Die Lackierung ließ man staubfrei trocknen, was durch Überstreichen mit den Fingern, ähnlich wie bei der Trockengradsprüfung bei einem Mixtion-Auftrag, geprüft wurde. Danach wurde eine gut vorbereitete Dextrin-Leimschicht aufgetragen. Der Überzug des Lackes war also kein Öl- oder Lackprodukt, sondern ein wasserlöslicher Leim, dessen Trocken- und Spannkraft schon damals hinreichend bekannt war. Im Dextrin (geröstete Stärke) hatten die Maler von einst einen Leimkörper, der sich vorzüglich als Auslöser der Craquelée-Bildung verwenden ließ.

Das Dextrin musste gleichmäßig und klumpenfrei gelöst sein, einen halbkonsistenten Brei bilden und trotzdem noch einen guten Verlauf, bzw. eine gute Streichfähigkeit haben. Man musste darauf achten, dass sich keinesfalls Furchen bildeten.
Diese Leimschicht ließ man nach dem Aufstreichen gut trocknen.

In den damals oft kalten, feuchten Werkstätten konnte die Trocknung nicht immer in befriedigendem Maße vor sich gehen, andrerseits war größte Vorsicht vor Überhitzung angesagt, wenn der Trockenvorgang mit einem Ofen beschleunigt werden sollte. Im Sommer genügten einige Minuten Sonnenbestrahlung.

Die Dextrinschicht musste absolut wasserfrei werden, um eine große Spannkraft zu bekommen! Wenn die Dextrinschicht in feuchter Luft nicht genügend austrocknen konnte, litt die Spannkraft und somit das Rissbild wesentlich. Bei der Anwendung von Dextrin bildeten sich die feineren Risse an den Außenseiten der Fläche und gegen die Mitte bildeten sich größere Risse aus. Das hatte seinen Grund wohl darin, dass jede Art Anstrich an den Peripherien eines Gegenstandes zuerst trocknet und weil man meistens gegen die Kanten hin immer etwas magerer aufträgt, so dass diese Flächen schneller trockneten.

Daraus resultierte für den Maler, dass sich größere Risse da bildeten, wo der Lack dicker aufgetragen war und feinere, kleinere an den mageren Stellen, besonders an den Außenkanten des Werkstückes. Die Optik der Krakelüre war ohne weiteres sofort feststellbar, da sich die Risse bereits in der Dextrinschicht zeigten. Zeigte sich kein befriedigendes Rissbild, intensivierte man den Reißprozess, indem man ein heißes Bügeleisen mit seiner Wärmeausstrahlung an die Mangelzonen brachte und in einem Abstand von 5 bis 10 cm über die geleimte Fläche hin und her bewegte.
Hierbei trocknete der Leim an diesen Stellen besonders scharf und man konnte einer unvollkommenen Rissbildung hervorragend nachhelfen. War das Rissbild befriedigend, wurde sofort an das Einfärben der Risse gegangen. Manchmal vergoldete man sie auch und es entstand ein Effekt wie lauter Goldadern.

Da die Dextrinschicht nach dem Einfärben wieder abgewaschen werden musste, durfte das Färbemittel keineswegs stark öl- bzw. lackhaltig sein. Man nahm deshalb einige Tropfen Sikkativ, verdünnte das Färbemittel mit Terpentin und bestrich damit gleichmäßig die ganze Leimschicht, wobei besonders darauf geachtet wurde, dass die Risse gut getroffen und gefüllte wurden. Nach diesem Arbeitsgang konnte sofort die ganze Leimschicht mit kaltem Wasser abgewaschen werden und zum Vorschein kam jetzt der blanke Lack, im Idealfall mit einem gleichmäßigen Netz an Rissen über die ganze Fläche verteilt.

Zum Schluss wurde die Fläche wie bei einer Schleiflackierung behandelt und poliert.