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v. Paul Rammelmeyr

Vorzugsweise wurde diese alte Technik zur Herstellung hochwertiger Gestaltungselemente in Innen- und Außenbereichen eingesetzt. Das Ätzen in Stein kannte man schon im 16.Jahrhundert. Eines der ältesten Beispiele einer Steinätzung befindet sich im Maximilianmuseum in Augsburg. Es handelt sich hierbei um ein plastisches Notenblatt eines fünfzeiligen Kanons aus Stein. Es stammt aus dem Jahre 1550 n. Chr.

Kaum zu glauben, dass die Technik des Steinätzens eher in das Gebiet des Malers als in das des Steinmetzen gehört. Zieht man aber die benötigten Requisiten, die man für das Steinätzen braucht in Betracht, wird diese Zuordnung schon verständlicher: Pinsel, Farbe, Lacke, Schleifmittel und Ätze.
Steinätzungen wurden in den früheren Jahrhunderten hauptsächlich zur Herstellung von Schrifttafeln, Zifferblättern, Wandverkleidungen, Wappen usw. angewandt. Wie man sieht, hat sich das Anwendungsgebiet bis heute nicht geändert, wenn man heute aber eher von Logos oder Designelementen spricht.

Durch die Ätztechnik erreicht man, dass eine Schrift oder Zeichnung vom Grund plastisch abgehoben wird. Das geschieht dadurch, dass die Zeichnung oder die Schrift vertieft wird, was eher selten der Fall ist - oder, dass der Grund, auf dem die Zeichnung oder Schrift steht, vertieft wird. Dieses Verfahren ähnelt ein wenig dem Positiv- bzw. Negativdruck. Das Vertiefen geschieht durch den Einsatz einer Säure. Die Stellen, die erhaben bleiben sollen, werden durch einen Überzug vor dem Angriff der Säure geschützt. Während der Ätzung löst die Säure den Kalk an den ungeschützten Stellen auf und die abgedeckten Teile bleiben erhaben.

Welches Grundmaterial ist geeignet
Als Grundmaterial dient eine zugerichtete, glatt geschliffene, fettfreie Kalksteinplatte. Am besten eignet sich die » Solnhofer Platte aus kohlensaurem Kalk, weil er die gleichmäßigsten und schärfsten Ätzungen möglich macht. Es können aber auch andere Kalksteinarten und Marmore verwendet werden. Sie müssen aber eine geschlossene Oberfläche aufweisen und dürfen nur ganz wenig Quarzeinlagerungen enthalten, weil diese nicht mitätzen. Der Vorgang des Ätzens besteht in einer Auflösung der Gesteinsschicht: je gleichmäßiger die Zusammensetzung dieser Schicht ist, desto einheitlicher und gleichmäßiger löst sie sich auf. Diese Eigenschaften prädistinert die Solnhofer Platte zum idealen Rohstoff. Auch Kelheimer Kalkstein kommt in seiner Struktur der Forderung der gleichmäßigen Zusammensetzung nach und findet sich deshalb vereinzelt auch schon als Rohstoff für Ätzarbeiten in früherer Zeit.

Die Vorbereitung der Steinplatte:
Zur Vorbereitung der Ätzfläche sollte die Platte sehr glatt geschliffen werden. Je glatter, desto besser. In den meisten Fällen wurde früher die Zeichnung aufgepaust oder mittels Rötelstift aufgezeichnet. Heute empfiehlt sich der Einsatz von Klebefolien mit fast grenzenlosen Motiv-Möglichkeiten. Sollte dennoch jemand zur althergebrachten Methode greifen, dann ist zu beachten, dass als Farbpapier nur fettfreies Pauspapier (Graphitpapier) verwendet wird, da Spuren der fetthaltigen Farbschicht, die sich durch Auflegen der Hand usw. auf dem Stein abdrücken, die Ätzung an dieser Stelle verzögern und unerwünschte Erhebungen bilden können. Selbst aus der späteren Abdeckung hervorstechende Bleistiftstriche können den Ätzvorgang hindern und eine unerwünschte Gratbildung ergeben.

Nach dem Aufbringen des Motivs, werden alle Stellen, die nicht geätzt werden dürfen, also erhaben bleiben sollen, mit syrischem Asphaltlack abgedeckt.
Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Lackauftrag nicht zu dünn ist und alle Steinporen schließt. Zu beachten ist auch, dass freibleibende Flächen und Linien, besonders bei tieferem Ätzen eine Kleinigkeit breiter werden. Es empfiehlt sich in diesem Falle die Paus- oder Stiftkonturen mit abzudecken. Beim Arbeiten mit Klebefolien erübrigt es sich, weil der Lackauftrag durch die Begrenzungen der Folienschnitte vorgegeben ist. Will man ganz feine Linien erzielen, ist es besser diese erst nach Trocknung der Asphaltlackschicht aus dem Ätzgrund herauszuschaben.

Die Abdeckschicht, der Asphaltlack:
Warum wird Asphaltlack als Abdecklack benützt. Er widersteht Säuren am besten und mit ihm gelingen selbst heikle Ätzungen immer vollauf. Vorausgesetzt, man lässt ihm Zeit zum restlosen Trocknen. Das dauert etwa 24 Stunden.

Rezeptur für ca.200 ml Abdecklack:
100 Gramm syrischer Asphalt,
84 Gramm gelbes Bienenwachs,
28 Gramm Kolophonium,
8 Gramm Gummi mastix

Die Stoffe werden in der angegebenen Reihenfolge nacheinander in einem Topf bei geringer Hitze geschmolzen. Zum Kochen eignet sich am besten eine Herdplatte mit Thermostat. Der jeweils nächste Stoff darf erst eingebracht werden, wenn der vorhergehende restlos verflüssigt ist. Die fertige Schmelze wird drei Stunden bei geringer Hitze gekocht, auf keinen Fall überkochen lassen. Während des Kochens immer wieder rühren. Nach Beendigung des Kochvorganges wird die Flüssigkeit in kaltes Wasser gegossen. Dabei wird die Masse plastisch und lässt sich zu Lack-Stangen kneten und walzen.
Für den Gebrauch schnitzelt man die Lackstangen mit einem Messer und löst die Schnitzel in echtem Terpentin auf. Das Terpentin wird nur in solcher Menge über die Schnitzel gegossen, dass diese gerade noch bedeckt sind. Nach einigen Stunden lösen sich die Teile auf und die Masse lässt sich gut umrühren und durch weiteren Terpentinzusatz streichfertig einstellen. Der Auftrag des Asphaltlacks erfolgt am besten mit weichem Pinsel. Es ist darauf zu achten, dass alle Flächen, die erhaben bleiben müssen, gleichmäßig und mit ausreichender Lackschicht abgedeckt sind.

Der Ätzvorgang (Pinselauftrag und Aufgießverfahren)
Mit dem Ätzen kann erst begonnen werden, wenn der Asphaltlack gut trocken und hart ist. Als Ätzflüssigkeit nimmt man Salzsäure oder besser Salpetersäure, verdünnt mit 2 bis 4 Teilen Wasser, auf einen Teil Säure. Gemeint ist die handelsübliche Konzentration wie man sie in Apotheken für Haushaltzwecke bekommt. Am besten probiert man es erst mit einer schwächeren Lösung aus und gibt bei Bedarf Säure zu, wenn das Ätzen zu langsam vor sich geht. Zu scharfes Ätzen greift die Lackkonturen an, so dass diese fransig werden. Auch die Temperatur spielt eine wesentliche Rolle, wärmer geht schneller. Die zubereitete Säure darf nur in einem geeigneten, säurefesten Behälter z. B. Glas, Porzellan oder säurefester Kunststoff verarbeitet und aufbewahrt werden. Der Behälter ist mit dem Warnzeichen für Säure zu kennzeichnen. Bei allen Arbeiten mit Säure sind die geltenden Arbeitsschutzbestimmungen einzuhalten und entsprechende Schutzbekleidung und Atemschutz zu tragen.

Aufgetragen wird die Säure mit einem weichen, breiten Haarpinsel oder einer Gansfeder, wobei man die zu ätzenden Stellen gleichmäßig vertreibend übergeht, bis sich keine Gasbläschen mehr auf den Ätzstellen zeigen. Dann ist die Ätze gesättigt und nicht mehr aktiv.

Das Auftragen wiederholt man einige Male, wäscht zwischendurch die Platte
mit Schwamm und Wasser ab, kontrolliert die Asphaltlackschicht, ob sie noch überall deckt und fühlt mit dem Finger, ob die Tiefe der Ätzung schon genügt. Man ätzt für gewöhnlich 0,5 bis 1 Millimeter tief. Bei tieferem Ätzen läuft man Gefahr, dass die Ränder leiden und abbröckeln. Nach 8-20maligem Auftragen, je nach Stein, Säureverdünnung und Temperatur, dürfte die gewünschte Wirkung erzielt sein.

Eine weitere Möglichkeit die Säure aufzubringen ist die Aufgießmethode. Hierzu wird die Platte mit der Wasserwaage waagrecht eingerichtet, so dass sich die Säure gleichmäßig über die Platte verteilen kann. Dazu fertigt man einen Rand mit Lehm, der das Abfließen der Säure verhindert. Gut bewährt hat sich auch Plastilin.

Knetmasse selbst herstellen:
400 g Mehl
200 g Salz
11 g Alaunpulver oder Weinsteinpulver (gibt’s in der Apotheke)
½ Liter kochendes Wasser
3 Esslöffel Speiseöl.

Es ist ganz wichtig, dass das Aufgießen rasch erfolgt. Dabei soll man gut aufpassen, damit der Rand nicht weggeschwemmt wird. Die Säure wird mit einer kräftigen Hühner- oder Gänsefeder wischend bewegt, damit sich keine Gasblasen festsetzen und die Ätzung an diesen Stellen verhindern. Sobald die Gasentwicklung aufhört, lässt man die verbrauchte Säure ab. Dazu macht man einen kleinen Durchstich am Rand. Danach wird die Ätzfläche reichl1ch mit Wasser gespült. Zeigen sich jetzt eine unerwünschte Anfressung, meist als Folge eines zu dünnen Lackauftrages längs einer Kante, so müssen diese Stellen unbedingt neu abgedeckt werden und auch die Trockenzeiten für den Asphaltlack eingehalten werden.
Bei Anfressungen inmitten abgedeckter Flächen, kann man sich auch durch Auftropfen von Kerzenwachs behelfen. In diesem Falle kann sofort nach Erkalten wieder weitergeätzt werden. Das Aufgießen der Ätze wird so oft wiederholt, bis die gewünschte Ätztiefe erreicht ist.

Der letzte Schliff:
Ist der Ätzvorgang abgeschlossen, wäscht man nochmals gut nach und schabt in noch feuchtem Zustand ganz vorsichtig die Abdeckschicht des Asphaltlackes mit einer nicht zu scharfen Ziehklinge ab. Der Rest lässt sich leicht mit Benzin oder Terpentin entfernen. Will man die vertieften Flächen und Linien stärker wirken lassen, was oft erwünscht ist, so fasst man diese mit Lack-, Dispersions- oder Mineralfarbe heraus. Ein leichtes Wiederherauswischen der Farbe, wobei die Konturränder dunkler bleiben, kann unter Umständen sehr reizvoll sein.

Nach völliger Trocknung und Härtung der Farbe, wird die Oberfläche der Platte mittels eines flachen, feinen Bimssteines (Schelllackstein) vorsichtig nass abgeschliffen. Dabei wird die beim Fassen überstehende Farbe entfernt, so dass die Zeichnung klar und der Ätzung entsprechend zutage tritt. Zum Schluss kann man den Stein mit einer Hartwachspaste einreiben, um ihn gegen Witterungseinflüsse widerstandsfähiger und in der Tönung lebendiger zu machen.